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Muir Wood Lecture 2025

Dem langjährigen DAUB-Mitglied Dipl.-Bauing. (ETH) Heinz Ehrbahr wurde anläßlich des ITA/AITES Word Tunnelling Congress 2025 in Stockholm die Ehre zuteil, die Muir-Wood-Lecture zu halten. Wir veröffentlichen das Papier an dieser Stelle.

Ehrbar, Heinz: Success criteria and success factors for the planning and realisiation of underground structures

Über das Dokument:

Das unterirdische Bauen ist in vielen Ländern ein wichtiger Zweig des Infrastrukturbaus. Unterirdische Kraftwerke, Transportwege, Versorgungs- und Entsorgungsanlagen sind für die Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands von großer Bedeutung. Die Gesellschaft erwartet, dass solche Projekte erfolgreich und nachhaltig durchgeführt werden.

Der Erfolg hängt dabei von einer einheitlichen Definition des Projekterfolgs ab, d. h. von einer einvernehmlichen Festlegung über die Kriterien, die den Erfolg ausmachen. Zu diesem Zweck muss zunächst ein umfassender Anforderungskatalog erstellt werden. Dieser Katalog darf sich nicht nur auf Qualität, Kosten und Termine beschränken, sondern muss auch ökologische und soziale Anforderungen umfassen. Darüber hinaus müssen im Interesse einer direkten Vergleichbarkeit zwischen den Projekten die projektspezifischen Erfolgskriterien nach standardisierten übergeordneten Kriterien strukturiert werden.

Im Verlauf eines Projekts werden regelmäßig Vergleiche mit dem Anforderungskatalog durchgeführt; dies erleichtert kontrollierte Eingriffe, sollten Abweichungen festgestellt werden. Ein projektspezifischer Anforderungskatalog ist daher notwendig, reicht aber allein nicht aus, um den Projekterfolg zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es eines förderlichen Umfelds, der Umsetzung geeigneter Prozesse und der Einführung von Maßnahmen, die darauf abzielen, Gefahren abzuwenden und Chancen zu nutzen. Während projektspezifische Erfolgskriterien aus dem ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeld des Projekts abgeleitet werden können, lassen sich übergeordnete Erfolgskriterien am einfachsten aus nachträglichen Analysen abgeschlossener und laufender Projekte ableiten.

Solche Analysen zeigen, dass der Faktor Mensch sowohl heute als auch in der Vergangenheit genauso wichtig ist wie die eingesetzten Mittel und Methoden. Schließlich ist die überwiegende Mehrheit der Schadensfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. 

Um die Auswirkungen solcher Einflüsse zu minimieren, sind technische Innovationen sowie Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen erforderlich. Am wichtigsten sind jedoch das Engagement und die Motivation aller am Projekt beteiligten Mitarbeiter. Organisationsmodelle, die die Interessen von Bauherren, Planern und Ausführenden in Einklang bringen, tragen dazu bei, Konfrontationen zu vermeiden. Sie fördern die Zusammenarbeit und somit das Engagement und die Motivation aller Projektbeteiligten.

An vielen Stellen sind Entwicklungen im Gange, die auf weitere Fortschritte abzielen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob und inwieweit sich Erfolge realisieren lassen. Hier sind geeignete Erfolgskriterien und deren Überwachung durch qualifizierte Stellen erforderlich.

Über die Muir Wood Lecture:

Sir Alan Muir Wood wurde 1921 geboren und trat nach seinem Abschluss an der Universität Cambridge 1942 in die Royal Navy ein. 1952 kam er zu Halcrow and Partners und arbeitete zunächst an der Planung von Tunneln mit kleinem Durchmesser in Fels und weichem Boden. Er ist vor allem für seine Verbindung zur Geschichte des Kanaltunnels bekannt, da er seit 1958 an verschiedenen Projekten daran mitgearbeitet hat.

1970 war Sir Alan Präsident der OECD-Konferenz zum Thema Tunnelbau in Washington. Diese Konferenz war insofern einzigartig, als ihr Ziel darin bestand, Regierungen hinsichtlich der Politik zu beraten, die sie im Bereich Tunnelbau verfolgen sollten. Diese Konferenz war der Ausgangspunkt für die Gründung der ITA, da sie die Nationen dazu veranlasste, eigene Tunnelbauverbände zu gründen. 1974 wurde die ITA gegründet und Sir Alan zu ihrem ersten Präsidenten gewählt. 1977, am Ende seiner Amtszeit, wurde er zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt. Bis zu seinem Tod war er sehr aktiv in der ITA und nahm 1999 am 25-jährigen Jubiläum in Oslo sowie an anderen WTCs teil.

Nach seinem Tod im Jahr 2009 beschloss die ITA, eine Sir Alan Muir Wood Lecture ins Leben zu rufen. Jedes Jahr hält ein ausgewählter Redner auf dem WTC einen Vortrag über seine Sichtweise zum Tunnelbau und entwickelt damit die Vision von Sir Alan vom Tunnelbau weiter. Sir Alan sah Innovation als den Schlüssel für Wirtschaftlichkeit und Sicherheit im Tunnelbaus an; damit können die unweigerlich vorhandenen Unsicherheiten verstanden und kontrolliert sowie die Risiken minimiert werden.